BÜNDNIS 90
DIE GRÜNEN
BÜNDNIS 90
DIE GRÜNEN
NEIN zu Verdrängung von MieterInnen
JA zu einem besseren Wohnumfeld
Im Bericht des Bayerischen Rundfunks in seiner Sendung Zündfunk wird der Zustand in Bezug auf Gentrifizierung analysiert. Uns Gostenhofer Grünen fehlt die differenzierte Betrachtung. Statt auf Fakten beruhten die Aussagen auf der persönlichen Wahrnehmung Einzelner.
Wir stellen dazu fest:
Gostenhof ist einer der ärmsten, kinderreichsten sowie am dichtesten besiedelten Stadtteile Nürnbergs. Bei den Stadtteilsanierungen in den 80er und 90er Jahren wurden viele Häuser bereits mit Beteiligung der BewohnerInnen saniert. Dennoch besteht Handlungsbedarf, besonders im äußersten Westen Gostenhofs.
Fakten statt Legendenbildung
"Gentrifizierung" ist durch die aktuelle, teils sehr emotionale, Diskussion in anderen Großstädten wie Berlin und Hamburg ein Begriff, der besonders spaltet und die Betroffenen in Täter und Opfer teilt. In Nürnberg fehlen die üblichen Indikatoren für Gentrifizierung wie z.B. die ausgeprägte Medien- und Modeszene. Hinzu kommt ein relativ geringer Anteil von Studierenden in der Stadtbevölkerung.
Wir sind gegen unbelegte Vorwürfe gegenüber Hausbesitzern, sondern wünschen uns den offenen Dialog. Wir unterstützen BürgerInnen, denen Gostenhof am Herzen liegt und die mit viel Mühe Häuser bewohnbar machen. Noch immer gibt es Wohnungen mit Toiletten im Hausgang und Häuser mit undichten Dächern. Auch zubetonierte düstere Hinterhöfe sind keine Seltenheit. Im ganzen Stadtteil fehlen Spielplätze und Grünanlagen.
Menschen, sie sich engagieren, als Langweiler abzustempeln liegt uns fern. Wir sind froh, dass AnwohnerInnen gewaltfreie, familienfreundliche Feste und Flohmärkte, aber auch Kneipenfestivals ehrenamtlich organisieren. Denn genau das gehört zur Vielfalt.
Und wir sagen klar: Wir wollen Wiesen statt Scherben. Daher unterstützen wir Guerilla Gardening, beispielsweise mit dem Verteilen von Saatbomben.
NEIN zu Verdrängung
Wir sehen im Moment (noch) keine Investoren, die Gostenhof luxussanieren wollen. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen sind die Mieten hier vergleichsweise niedrig.
In diesem Jahr konnten geplante Stadthäuser in der Mittleren Kanalstraße mangels Interessenten nicht gebaut werden. Die Ansiedelung von Discountern wurde verhindert.
Natürlich gibt es einige wenige Ausnahmen besonders hochwertig sanierter Häuser. Aber hier handelt es sich in Gostenhof eindeutig um Einzelfälle.
Und wenn KünstlerInnen in das Viertel ziehen und leerstehende, kleine Läden, für die sich zum Teil keine Nutzung mehr gefunden hat, für ihre Arbeit und Ausstellung nutzen, ist das per se kein verurteilenswerter Sachverhalt. Auch KünstlerInnen erweitern das Spektrum eines Stadtteils, machen Gostenhof bunter.
Wir haben ein kritisches Auge darauf, wie sich die Lage weiter entwickelt.
Wir sagen NEIN zu:
- Aufkauf von Straßenzügen durch Investoren
- Unangemessenen Mietsteigerungen
- Flächenversiegelung
- Verödung durch Spielhallen und Wettbüros
JA zu einem besseren Wohnumfeld
Die ständig steigenden Heizkosten belasten gerade die mittellosen Familien. Energiekosten sind Schuldenfalle Nummer Eins. Deshalb braucht es energetische Sanierungen.
Wärmedämmung und Lärmschutz sind keine Luxussanierung, sondern ein Beitrag zur Kostenersparnis, Gesundheit und zum Klimaschutz.
Daher sagen wir JA zu:
- sinnvolle, energetische Sanierung durch BewohnerInnen und EigentümerInnen
- Schaffung von Grünflächen und Spielplätzen
- sichere Verkehrsführung mit Vorrang für FußgängerInnen und RadfahrerInnen
- alternative Finanzierungsformen für StadtteilbewohnerInnen z. B. über Genossenschaften und Wohnprojekte
- mehr sozialen Wohnungsbau
- Vielfalt von Gewerbe, Kunst, Kultur und Gastronomie
Wir wollen unsere Nachbarschaft und das Gemeinwesen erhalten und ein buntes, lebendiges und lebenswertes Gostenhof für alle.
Gostenhof, 13.10.2010 (einstimmiger Beschluss des Ortsverbandes Gostenhof)
Verweis/ Quelle: Zündfunk „Wem gehört die Stadt“. Der Radiobericht zum anhören.